Antrag: Mobilitätsinfrastruktur im Tourismus stärken – Masterplan Mobilität ostfriesische Inseln unterstützen

Fraktion der SPD
Fraktion Bündnis 90/Die Grünen

Mobilitätsinfrastruktur im Tourismus stärken – Masterplan Mobilität ostfriesische Inseln unterstützen

Der Landtag wolle beschließen:

Entschließung

Der Tourismus ist für Niedersachsen ein elementarer Wirtschaftsfaktor. Motor für Einkommen, Arbeitsplätze, Wohlstand und Lebensqualität und damit ein besonders wichtiger Wirtschaftszweig. Hier entsteht regionale Wertschöpfung und die positive Ausstrahlung wirkt weit über die Landesgrenzen hinaus. Ganz nach dem Motto: Wir leben und arbeiten dort, wo andere Urlaub machen.

Die im Nationalpark niedersächsisches Wattenmeer gelegenen Ostfriesischen Inseln gehören zu den stärksten touristischen Reisezielen Niedersachsens mit knapp 5,5 Millionen Übernachtungen, . Auf den Ostfriesischen Inseln und in den Küstenbädern ist der Tourismus der bedeutendste und oftmals einzige Wirtschaftsfaktor.

Für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit Ostfrieslands spielt deren Erreichbarkeit sowie die Qualität der touristischen Infrastruktur eine entscheidende Rolle. Die Ostfriesischen Inseln konkurrieren hierbei sowohl mit den Nordfriesischen Inseln als auch mit den Destinationen an der Ostseeküste. Die Themen Mobilität und Tourismus sind dabei untrennbar miteinander verbunden. Deshalb müssen Lösungen sowohl für die nachhaltige An- und Abreise als auch die Mobilität vor Ort gefunden werden. Hier gibt es große Herausforderungen und massive Verbesserungspotentiale.

Um die Gesamtattraktivität Niedersachsens als Reiseziel zu erhöhen und eine zukunftsgerechte Entwicklung zu ermöglichen, ist eine gut miteinander vernetzte und nachhaltige Mobilität notwendig, die die verschiedenen Verkehrsträger sinnvoll miteinander verbindet (Intermodalität). Dies wird zunehmend von Touristinnen und Touristen gefordert und stellt mittlerweile für diese ein wesentliches Kriterium für die Wahl der Urlaubsdestination dar. Nachhaltige Mobilitätskonzepte werden deshalb zur Pflichtaufgabe, auch im Tourismus.

Es gilt daher ein umweltfreundliches, ganzheitliches und bedarfsorientiertes Mobilitätskonzept für die Ostfriesischen Inseln mit einer entsprechenden Anbindung an die umliegenden Regionen zu entwickeln und zu initiieren, das die Bedürfnisse von Gästen und der einheimischen Bevölkerung einbezieht. So entsteht auch ein wichtiger Beitrag zur Daseinsvorsorge und der gesellschaftlichen Teilhabe. Da nicht nur die Ostfriesischen Inseln, sondern auch der angrenzende Küstenraum der Ostfriesischen Halbinsel bedeutende Destinationen im niedersächsischen Tourismus darstellen, wäre eine möglichst ganzheitliche Betrachtungsweise der Region im Hinblick auf eine zukunftsweisende und nachhaltige Weiterentwicklung von Mobilität im Rahmen des Masterplans zielführend.

Dabei gilt es mutig und nach vorne zu denken – in neuen Lösungen anstelle von alten Antworten. Diese sollten alle Formen der Mobilität, vom ÖPNV (Bus und Bahn), SPNV, Fuß- und Fahrradverkehr, elektro-MIV (motorisierter Individualverkehr) und LKW über die Schifffahrt bis auch zum Flugverkehr zu den Inseln einbeziehen und auf klimaneutrale Antriebsformen aufbauen. Für eine flexible und unabhängige Nutzung gilt es die unterschiedlichsten Fortbewegungsmöglichkeiten miteinander zu vernetzen und zu verbinden (Intermodalität), wie z.B. Sharing-Modelle wie Car- und Bikesharing, auch von Lastenrädern und einer flächendeckenden Lade-Infrastruktur. Neben dem zwingenden Ausbau und der Verbesserung des klassischen Bahn- und Linienverkehrs braucht es zudem attraktive Zusatzbausteine, die den ÖPNV bzw. SPNV zu einer echten Alternative für breitere Kundengruppen machen können. Dazu gehören

Sichere Abstellmöglichkeiten für Fahr- und Lastenräder, auch in Verbindung mit Möglichkeiten für kleinere Reparaturen. Überlegungen zu flächendeckenden On-Demand-Verkehren und eine (zukünftige) Berücksichtigung von Autonomen Verkehren.

Das Ziel sollte ein attraktives, klimaneutrales, komfortables, praktikables, verlässliches, vernetztes, nachhaltiges und zeiteffektives Mobilitätsangebot sein, das zudem wirtschaftlich betrieben werden kann.

Die Vernetzung der einzelnen Mobilitäts-Bausteine sollte über die Einführung einer digitalen Gästekarte angeboten werden, die Fährüberfahrten, Nahverkehr und weitere Dienstleistungen nutzbar, planbar und buchbar zur Verfügung stellt. Hier ist eine kommunenübergreifende Zusammenarbeit sowohl mit Kommunen als auch betroffenen Privatunternehmen bei der Entwicklung anzustreben und zu fördern.

Die Entwicklung eines umfassenden Konzepts ist zwingend notwendig, um die ostfriesischen Inseln und die angrenzende Region auch weiterhin überregional als attraktives und nachhaltiges Reiseziel zu positionieren und langfristig wirtschaftlich zu stärken.

Vor diesem Hintergrund bittet der Landtag die Landesregierung:

  1. die Entwicklung eines zukunftsfähigen und nachhaltigen Mobilitätskonzepts, eines Masterplans Mobilität am Beispiel der Ostfriesischen Inseln zu unterstützen.
    Folgende Ziele sollten dabei Berücksichtigung finden:
    • Das Mobilitätskonzept sollte konkrete Überlegungen zu Vermeidung, Verlagerung, Verbesserung, Vernetzung und Optimierung von Verkehrsströmen enthalten
    • Es sollte einen wichtigen Beitrag zur Klimaneutralität und Ressourcenschonung durch nachhaltige Mobilität leisten, insbesondere durch Ausbau von klimaneutralen Antrieben in ÖPNV, SPNV, Fährverkehr und MIV sowie Sharing-Modellen und autonomen Verkehren und On-Demand-Verkehren
    • Es sollte eine Reduzierung des MIV zugunsten anderer Verkehrsträger durch Erhöhung der Attraktivität ihrer Nutzung (z.B. durch verbesserte Erreichbarkeit, optimierte Frequenz des Angebots und Intermodale Hubs wie Fahrradparkhäuser sowie Park&Ride Möglichkeiten) erreichen
    • Es sollte den Verkehr von und zu den Inseln (E-Schifffahrt, E-Flugverkehr) einbeziehen mit dem Ziel, klimaneutrale Fahr- bzw. Flugmöglichkeiten zu etablieren.
    • Es sollte das Freiwerden von Park- und Mobilitätsräumen für andere Nutzungsformen (Umwidmung zu Begegnungsräumen etc.) miteinbeziehen
    • Verbesserung des ÖPNV-Angebots insbesondere der Anschlussmobilität, um komfortable und barrierefreie Umstiege zu ermöglichen.
  2. die Kommunen bei der Einrichtung von barrierefreien Mobilitätsangeboten zur Küste und den Fähranschlüssen beratend zu unterstützen,
  3. die für den SPNV notwendigen Verbesserungen der Schieneninfrastruktur, insbesondere den zweigleisigen Ausbau eingleisiger Strecken sowie die Reaktivierung von Strecken zu forcieren und weiterhin aktiv gegenüber Bund und der DB InfraGo einzufordern,
  4. die SPNV-Verbindungen zu den Fähranlegern zu überprüfen und möglichst optimieren, sodass die Anschlüsse gewährleistet und die Barrierefreiheit sichergestellt sind,
  5. die Entwicklung einer digitalen Gästecard für die Region zu unterstützen, die die Angebote von Mobilität mit anderen buchbaren Angeboten, u.a. Unterkünften, Veranstaltungen, Ausflugsfahrten etc. vernetzt und verbindet.

Begründung

Die Ostfriesischen Inseln sind ein bedeutendes Aushängeschild des niedersächsischen Tourismus.  Sie stellen einen herausragenden Naturraum dar, der prädestiniert ist für die Vorreiterrolle im klimaneutralen Verkehr. Ihre nachhaltige, komfortable Erreichbarkeit mit klimaschonenden mobilen Angeboten ist ein wesentlicher Faktor, der in Zukunft über den Erfolg der Region entscheiden wird. Es ist notwendig, dass hier für die ganze Region der Ostfriesischen Halbinsel geplant und von Anfang an mitgedacht werden, da Mobilität nur gesamthaft gedacht werden sollte. Das derzeitige Angebot zeigt dringenden Handlungsbedarf auf, wollen die Inseln und die Region in Zukunft konkurrenzfähig bleiben. Deshalb muss jetzt ein zukunftsfähiges, nachhaltiges Konzept inkl. realistischer Umsetzungsszenarien und einer gezielten und koordinierten Weiterentwicklung der bestehenden Strukturen aufgesetzt werden.  Die Ostfriesischen Inseln und deren Anbindung an die angrenzenden touristischen Destinationsraum bieten sich durch ihre hohe touristische Bedeutung für die Erstellung eines Masterplans idealerweise an.  Bei Berücksichtigung der An- und Abreise sind hier alle Verkehrsträger nahtlos integrierbar, von Flugverkehr und Schifffahrt über ÖPNV und SPNV bis hin zu individueller Mobilität, u.a. Fahrräder, Fußverkehr und PKWs. Vor diesem Hintergrund sollten die schon bestehenden regionalen Bemühungen zur Entwicklung eines Masterplans - Mobilität ostfriesischen Inseln unterstützt werden. Ein erster Schritt sollte zunächst eine Machbarkeitsstudie sein. Perspektivisch sollte der Masterplan impulsgebend für andere touristische Regionen Niedersachsens in Bezug auf eine klimaneutrale, zukunftsweisende, touristische Mobilität werden und die Region damit eine Vorreiterrolle einnehmen.

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