Tamina Reinecke: Rede zum touristischen Ausbau von Rad- und Wanderwegen

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TOP 41 – Nachhaltige Mobilität in Urlaub und Freizeit: Rad- und Wanderwege touristisch ausbauen (Antrag SPD/GRÜNE)

- Es gilt das gesprochene Wort -

Erlauben Sie mir, mit einer persönlichen Erfahrung zu starten. Vor einigen Jahren antwortete mir eine Befragte in einem touristischen Forschungsprojekt auf die Frage, wie ihre Zukunftsvision für ihre Destination aussieht: „Ich habe keine Vision. Ich bin Realistin.“

Ich habe lange über diesen Satz nachgedacht und frage mich bis heute: Warum sollten Vision und Realität Gegensätze sein? Was tun wir Politiker*innen und auch Verbandsvorsitzende in der Realität?  Ist nicht gerade die Vision einer besseren Zukunft die Basis unseres Handelns?

Realität sind die vielen konkreten Maßnahmen in diesem Antrag, die Radfahren und Wandern sicherer und entspannter machen. Und diese Maßnahmen basieren auf einer Vision. Unserer Vision, dass alle Menschen in Niedersachsen die Schönheit unserer Landschaften zu Fuß und mit dem Rad erkunden können.

Und nur diese Vision ermöglicht es uns, die Probleme zu verstehen, den Zielkorridor zu stecken und konkrete Maßnahmen in die Umsetzung zu bringen.

Wussten Sie, dass mehr als ein Drittel der Niedersachsen gerne Rad fährt? Zudem ist Niedersachsen der Quellmarkt Nummer 1 deutschlandweit für Radreisende. Sie sehen, das Potenzial ist groß – bislang wird es jedoch durch unzureichende Infrastruktur gebremst. Das wollen wir mit diesem Antrag ändern.

Bereits im September haben wir hier einen umfassenden Antrag zur Verbesserung der Radinfrastruktur beschlossen. Vielen Dank an meinen Kollegen Stephan Christ – darauf können wir heute gut aufbauen, um Radfahren und Wandern auch in der Freizeit sicherer und einfacher zu machen.

Die besondere Betrachtung vom Radverkehr im Freizeitbereich ist notwendig, da Pendelwege und Reisewege unterschiedliche Anforderung stellen. Pendler*innen wünschen sich kurze Wege, und strecken mit möglichst wenig Gegenwind. Tourist*innen hingegen suchen schöne Wege und Attraktionen.

Im ländlichen Raum führen viele Radverbindungen zu touristischen Zielen über Landstraßen ohne Radwege. Eine AGFK-Studie zeigt: 65 % der Befragten fühlen sich mit dem Rad auf der Straße dem Verkehr ausgeliefert, vor allem wegen:

  • rücksichtslosem Verhalten von einigen Autofahrenden,
  • hohem Verkehrsaufkommen und
  • überhöhter Geschwindigkeit.

Das ist erschreckend und zeigt, wir müssen Aktivtourismus sicherer machen. Wo kurzfristig kein separater Radweg möglich ist, müssen Lücken durch Schutzstreifen geschlossen werden — sie machen sichtbar: Hier fahren auch Radfahrende. Ergänzt durch Tempolimits erhöhen wir die Sicherheit deutlich. Kombiniert machen die Maßnahmen touristische Rad- und Wandernetze sicher nutzbar.

Zudem wollen wir unseren Aktivtourismus in Niedersachsen einfacher machen. Viele Regionen haben schon Knotenpunktsysteme eingeführt – dies wollen wir niedersachsenweit ausbauen. Zudem sollen Rad- und Wanderkarten umfassend kartiert, digitalisiert und ausgeschildert werden.

Denn nur so kann Tagestourismus auch in unseren weniger touristischen Gebiete im ländlichen Raum Fuß fassen, neue Zielgruppen erreichen und auch von den aktuell mehr als 3 Milliarden Euro Wertschöpfung der Radreisenden in Niedersachsen profitieren. Also lassen Sie uns den Aktivurlaub in Niedersachsen einfacher und sicherer machen!

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