Psychisch und geistig behinderte Menschen brauchen eine stärkere Lobbyarbeit:Besuch der Landtagsabgeordneten Tamina Reinecke und Nicolas Breer bei der Mehrwerk gGmbH in Wolfenbüttel
Die Landtagsabgeordneten Breer und Reinecke besuchten gemeinsam mit den Grünen Wolfenbüttel den Kuba-Bildungscampus der Evangelischen Stiftung Neuerkerode. Neben der eindrücklichen Einblicke war der Fokus des Treffens die Inklusion von Menschen mit Handicap.

Wolfenbüttel. In der vergangenen Woche besuchten die Landtagsabgeordneten von Bündnis 90/Die Grünen, Tamina Reinecke und Sprecher für Arbeit und Menschen mit Behinderung Nicolas Breer, die Mehrwerk gGmbH in Wolfenbüttel. Die Einrichtung, die zur diakonischen Unternehmensgruppe der Evangelischen Stiftung Neuerkerode gehört, verfolgt das Ziel, Menschen mit unterschiedlichsten Handicaps durch Qualifizierung und Beschäftigung in das Arbeitsleben zu integrieren. Empfangen wurden die Politiker*innen auf dem Bildungscampus in der Lindener Straße von Marcus Eckhoff, dem Geschäftsführer der Mehrwerk gGmbH. Für Einblicke in die praktische Arbeit standen Harald Smalakies, Leiter des Begleitenden Dienstes, sowie Florian Schuler, Standortleiter, zur Verfügung. Begleitet wurden sie außerdem von den MAV-Vertretern Georg Maier und Torsten Falk.
Im Mittelpunkt des Besuchs stand die Frage, welche Möglichkeiten der Bildungscampus bietet, um Menschen mit Handicap zu qualifizieren, zu beschäftigen und auf den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten. Besonders beeindruckend ist das inklusive Bildungscampus-Konzept, das klassische Strukturen wie Werkstätten für Menschen mit Behinderung und Bildungsträger miteinander verbindet. Durch projektbezogene Zusammenarbeit werden Arbeits-, Qualifizierungs- und Beschäftigungsangebote, die aufgrund unterschiedlicher Finanzierungsquellen eigentlich getrennt sind, zusammengeführt. Während eines Rundgangs konnten sich die Gäste von den vielfältigen Projekten und den positiven Ergebnissen dieser innovativen Zusammenarbeit überzeugen. Tamina Reinecke zeigte sich begeistert: „Die Mehrwerk gGmbH ist ein Jobmotor für viele Menschen, die sonst den Sprung in den ersten Arbeitsmarkt nicht schaffen. Es ist wichtig, Menschen zu motivieren, an sich zu glauben und das Beste aus sich herauszuholen. Gesellschaftlich tut uns diese Diversität auch in Unternehmen gut, um neue Perspektiven für die Arbeitswelt von morgen zu entdecken.“
Natürlich wurden auch die aktuellen Herausforderungen angesprochen. So berichtete Marcus Eckhoff, dass die Situation im Bereich der Arbeitsmarktdienstleistungen durch Mittelkürzungen der Jobcenter angespannt sei und einzelne Maßnahmen vorerst gestoppt werden müssten. Er betonte, dass Leistungskürzungen für Menschen mit Handicap, die den Weg auf den ersten Arbeitsmarkt suchen, kaum nachvollziehbar seien – vor allem angesichts des Fachkräftemangels in vielen Branchen. Nicolas Braer schloss den Besuch mit einer klaren Forderung: „Psychisch und geistig behinderte Menschen brauchen eine stärkere Lobbyarbeit. Wir brauchen langfristig finanzierte Maßnahmen, die Menschen durch Bildungs- und Arbeitsangebote integrieren.“