Tourismus zukunftsfähig gestalten:Reinecke und Reckewell im Austausch über nachhaltige Tourismuspolitik in Wolfenbüttel

Während eines Walk & Talk sprachen der Geschäftsführer des Tourismusverbandes Nördliches Harz-Vorland Björn Reckewell und die Landtagsabgeordnete über Fragen und Herausforderungen der niedersächischen Tourismusbranche. Beide betonten die wirtschaftliche und gesellschaftliche Relevanz die Tourismuspolitik erfüllen kann.

Wolfenbüttel. Bei strahlendem Herbstwetter trafen sich Tamina Reinecke, tourismuspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und Björn Reckewell, Geschäftsführer des Tourismusverbandes Nördliches Harz-Vorland, zu einem „Walk & Talk“ entlang des Wolfenbütteler Stadtgrabens. Im Zentrum des Austausches standen die aktuellen Herausforderungen und Chancen einer nachhaltigen Tourismusentwicklung in Niedersachsen – mit besonderem Blick auf kleinere Städte wie Wolfenbüttel.

Beide Gesprächspartner betonten die Bedeutung des Tourismus als Wirtschaftsfaktor und Motor gesellschaftlicher Daseinsvorsorge. „Tourismus ist nicht nur Urlaub – er bedeutet lebendige Innenstädte, starke Gastronomie, kulturelle Vielfalt und regionale Wertschöpfung“, so Reinecke. Sie forderte, regionale Endwicklung und Mobilität konsequent mit Tourismus, Klimafolgenanpassung und Digitalisierung zu verknüpfen: „Wir müssen unsere Siedlungen und Landschaften so gestalten, dass Natur geschützt, Ressourcen geschont und gleichzeitig einen echten Mehrwert für die Menschen vor Ort geschaffen wird.“

Mit über 46 Millionen Übernachtungen allein im Jahr 2024 gehört Niedersachsen zu den führenden Reiseländern Deutschlands. Um den Tourismus zukunftssicher aufzustellen, hat das Land die Tourismusförderung neu ausgerichtet. Ganz nach dem Motto des Welttourismustags 2025 „Tourismus und nachhaltige Transformation“, wird der Zusammenhang zwischen sozialem, wirtschaftlichem und klimaangepasstem Handeln als übergreifender Zusammenarbeitsgedanke gestärkt. Für mehr Flexibilität sorgt unter anderem die erweiterte Projektdauer von nun bis zu 18 Monaten. „Der Ideenreichtum der niedersächsischen Touristiker und Touristikerinnen ist beeindruckend. Die Umsetzung dieser Ideen wollen wir als Land aktiv fördern und haben die Richtlinien so angepasst, dass die Förderung zu einer echten Möglichmacherin wird“, so Reinecke.

Neu ist auch die Unterstützung branchenübergreifender Kooperation mit touristischer Beteiligung. Aus der Erkenntnis heraus, dass viele Projekte nicht unbedingt landesweit innovativ sind, sehr wohl aber für die jeweilige Region oder Sparte eine bedeutende Weiterentwicklung auch in Bezug auf ein verändertes Reiseverhalten darstellen, wurde der Innovationszwang gelockert. Wettbewerbsfähige Organisations- und Arbeitsstrukturen, sowie die Digitale Transformation werden ebenso gefördert, wie Klimaschutz – und Klimaanpassungsmaßnahmen; dazu kommen zukunftsweisende touristische Projekte. „Geringere kommunale Zuschüsse dürfen nicht zu einem Stillstand in der Tourismusentwicklung führen. Investitionen in Klimaanpassung und Digitalisierung definieren heute die Wettbewerbs- und damit Zukunftsfähigkeit des Niedersächsischen Tourismus, betont die Landtagsabgeordnete. Bis zu 80 Prozent Zuschuss sind möglich – insgesamt steht landesweit 1 Million Euro jährlich zur Verfügung.

Björn Reckewell begrüßte die Neuausrichtung der Tourismuspolitik, machte aber auf bestehende Hürden aufmerksam: „Tourismusförderung ist eine freiwillige Leistung, die jedoch auch in Zeiten mit herausfordernden Haushaltslagen in den Kommunen unverzichtbar bleibt. Die Regionen und ihre Unternehmen brauchen gerade jetzt Kontinuität, um notwendige Transformationen zu meistern und Potenziale zu erschließen“.

In Bezug auf Wolfenbüttel hob er die Alleinstellungsmerkmale der Stadt hervor – von der einzigartigen Fachwerkarchitektur über das kulturelle Erbe rund um die Herzog August Bibliothek und das Lessinghaus bis hin zur weltweit bekannten Marke Jägermeister.

Allerdings seien viele dieser touristischen Highlights derzeit nicht uneingeschränkt erlebbar. „Es ist Aufgabe des Landes, dafür zu sorgen, dass unsere bedeutenden Kulturorte wie die Herzog August Bibliothek oder das Braunschweigische Landesmuseum für Gäste nach den notwendigen baulichen Arbeiten wieder vollständig zugänglich werden“, wünscht sich Reckewell.

Das Gespräch mündete in einem klaren Fazit: Nachhaltiger Tourismus kann nur gelingen, wenn politische Rahmenbedingungen, innovative Konzepte und funktionierende Netzwerke zusammenspielen. Dazu gehört auch die übergreifende Zusammenarbeit zwischen Kommunen, touristischen Akteuren und Landespolitik. Tourismuspolitik braucht integriertes Denken!

Tamina Reinecke abschließend: „Tourismuspolitik darf kein Randthema sein. Sie ist ein Schlüssel zur Lebensqualität im ländlichen Raum, zur wirtschaftlichen Entwicklung und zur Bewältigung der Klimakrise. Die Anregungen aus dem Nördlichen Harzvorland nehme ich gerne mit.“

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